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Der Feind in Dir - der Blutdruck

Stethoskop

Meist unbemerkt schleicht sich Bluthochdruck in unser Leben ein - und kann eine ganze Reihe gefährlicher Krankheiten auslösen. Umso wichtiger ist es, dass wir rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Kleine Änderungen reichen dafür aus. Mit einer guten Ernährung und mehr Bewegung können wir unseren Körper sogar selbst heilen.

 

Von den meisten Leidtragenden werden die Symptome des Bluthochdrucks auf andere Ursachen als auf eine Hypertonie zurückgeführt. Viele spüren gar nichts davon, dass sie einen zu hohen Blutdruck haben. Davon betroffen ist aber fast jeder zweite (!) Mensch in Deutschland wobei das Altersgefälle groß ist: unter den 20-Jährigen haben 15% zu hohen Blutdruck, unter den 50-Jährigen 40%, unter den 70- bis 80-Jährigen bereits 80%. Doch ein Viertel der Betroffenen weiß nichts von seiner Erkrankung und riskiert schlimme Folgen: bleibt die Hypertonie unerkannt und unbehandelt, führt sie früher oder später zu einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder zu Demenzerkrankungen.

 

Aber was ist Bluthochdruck? 

 

In welchem Bereich sollten Deine Blutdruckwerte liegen?

 

Nach der Definition der Deutschen Hochdruckliga beginnt Bluthochdruck dann, wenn bei 30 Messungen an unterschiedlichen Tagen und zu mehreren diversen Zeitpunkten bei mehr als einem Viertel der Messungen der systolischer Wert über 135 und der diastolische Wert über 85 liegt. Der systolische Wert gibt jenen Druck an, der in den Arterien auftritt, wenn Blut aus dem Herzen gepumpt wird. Der diastolische Wert ist der Druck, der in den Arterien herrscht, bevor sich die Herzklappen wieder öffnen und Blut ins Herz zurückfließt. Bei Menschen bis 50 Jahren ist oft nur der diastolische Wert erhöht, bei Menschen ab 50 nur der systolische. Aber egal, welcher Wert erhöht ist, beides weist auf ein Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt hin. Je höher die Werte, desto höher das Risiko. Ab Werten von 140 zu 90 steigt es um das Eineinhalbfache! Ganz einfache Orientierungshilfe bietet folgende Faustregel, nämlich die neuen Blutdruckwerte: 120/80 gilt als normal.

 

Wie sollte der Blutdruck gemessen werden

Blutdruck messen

Lass Dein Blutdruck regelmäßig von Deinem Arzt oder Apotheker überprüfen. Du bist auf der sicheren Seite, wenn Du zusätzlich Deine Werte auch selbst überprüfst.

 

Wenn Du Dein Blutdruck noch nicht selbst häufig überprüft hast, lege die Manschette zum ersten Mal sowohl am linken als auch am rechten Handgelenk oder Oberarm an. In Zukunft sollst Du auf der Seite mit den höheren Werten messen. Bluthochdruckpatienten sollten zweimal täglich überprüfen. Und immer zur gleichen Tageszeit - am liebsten morgens und abends. Wenn Du noch nicht an Bluthochdruck leidest, solltest Du etwa einmal im Monat zum Gerät  greifen. Du hast noch kein Blutdruckmessgerät? Hier* hast Du einen großen Auswahl und wirst bestimmt fündig.

 

 Nimm Platz an einem Tisch und gönn Dir vorher fünf Minuten Ruhe. Beim Messen des Oberarms lege Deinen Arm mit der Handfläche nach oben auf den Tisch. Der Messpunkt liegt zwei Zentimeter über der Ellbogenbiegung auf der Innenseite des Armes. Bei modernen Oberarmgeräten ist die Manschette immer an der richtigen Stelle. Bei Handgelenkgeräten sollte sich die Manschette auf Herzhöhe befinden. Halte Dein Handgelenk ein wenig hoch. Wichtig: Sprich nicht beim Messen!

 

Lebensstil als Risikofaktor Nummer eins!

Kreuzung in der Stadt

Die Hypertonie ist bei 90% - 95% der Menschen eine Nebenwirkung des Lebens, wie es die große Mehrheit der Menschen in den westlichen Industrieländern führt. Diese Mehrheit bewegt sich zu wenig, isst zu viel, nimmt zu viel Fett zu sich und zu viel Salz, ist daher übergewichtig, trinkt zu viel Alkohol und raucht. Das alles zusammengenommen, verbunden mit einer ererbten Neigung zur Hypertonie treibt den Blutdruck mit zunehmendem Alter immer mehr in die Höhe. In etwa 5% - 10% der Fälle wird die Hypertonie von einer anderen Erkrankung verursacht: z. B. von hormonellen Störungen, einer Überfunktion der Schilddrüse, Nierenerkrankungen, erhöhtem Cholesterinspiegel, Diabetes Typ 1 und Typ 2. Selten wird die Erkrankung von psychischen Faktoren wie Stress ausgelöst.

 

Bei zu hohem Druck werden nicht nur die Arterien stark belastet und dauerhaft geschädigt, sondern auch das Herz muss übermäßig viel arbeiten. In der Regel kann sie diese Übernutzung über einen bestimmten Zeitraum ausgleichen; wenn sich der Bluthochdruck jedoch nicht verbessert, können Krankheiten wie koronare Herzkrankheiten, Arrhythmie und Herzschwäche die Folge sein.

 

Gute Nachricht - Bluthochdruck ist gut behandelbar!

 

Während bei einem Viertel der Menschen mit dem hohen Blutdruck das Leiden lange Zeit unerkannt bleibt und erst im Krankheitsfall bemerkt wird, also etwa bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, erhalten drei Viertel der Leidtragenden die Diagnose entweder bei einer Vorsorgeuntersuchung oder durch Zufall, wenn sie wegen einer anderen Erkrankung zum Arzt gehen und dieser nebenher den Blutdruck misst. Hat man den Bluthochdruck erkannt, ist die Erkrankung gut behandelbar. Sind die Werte nur leicht erhöht, kann oft schon eine Änderung des Lebensstils den Blutdruck wieder normalisieren. Dafür muss man nur 3 Sachen beachten:

 

  1. Es ist wirklich wichtig sich regelmäßig und ausreichend zu bewegen und sich gesund zu ernähren: das heißt fettarm und salzarm.
  2. Darüber hinaus ist beim Alkohol Zurückhaltung angesagt.
  3. Auf Nikotin sollte ganz verzichtet werden.

 

Wer sich konsequent an diese Regeln halten kann, kann auch damit rechnen, dass der Blutdruck stabil im Normbereich bleibt. Eigentlich klingt einfach, aber der innere Schweinehund hält un oft davon ab, sich an diese Regeln zu halten bis es oft zu spät ist.

 

Hat der Schweinehund über die längere Zeit gewonnen hilft dann medikamentöse Therapie.

 

Die Empfehlung, den Lebensstil zu ändern, gilt zwar auch bei mittelschwer oder stark erhöhtem Blutdruck. Aber hier kommt man um die Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten in Form von Tabletten nicht herum. Welche Mittel in welcher Menge gegeben werden, wird im Einzelfall und nach zahlreichen Messungen über mehrere Tage entschieden. Zur Wahl stehen sogenannte Betablocker, die die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin hemmen und auf diese Art und Weise den Blutdruck senken, und ACE-Hemmer, Angiotensin Converting Enzyme, die die Bildung oder Wirkung der blutdruckerhöhenden Angiotensin-Enzyme hemmen. Parallel werden oft Diuretika gegeben, die mit Salz auch Wasser aus dem Körper schwemmen, sowie Kalziumantagonisten, die die Wirkung von Kalzium in den glatten Muskelzellen der Gefäße verringern, wodurch sich die Gefäße erweitern und der Blutdruck sinkt. Mit diesen Mitteln kann ein mittelstark und stark erhöhter Blutdruck gesenkt und nachhaltig niedrig gehalten werden. Damit der Körper nicht mehr unter Druck gerät, muss man die Medikamente allerdings ein Leben lang nehmen. 

Bluthochdrucktherapien der Zukunft

Straße, Spritze und Schrittmacher

In den nächsten Jahren könnte die Behandlung des Bluthochdrucks für die Patienten bequemer werden: Weltweit arbeiten verschiedene Forschergruppen an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Hypertonie. Dieser wird nach dem Prinzip der sogenannten ACE-Hemmer funktionieren und vor der blutdrucksteigernden Wirkung des Enzyms Angiotensin schützen. Geimpft wird dann voraussichtlich jedes halbe Jahr. Ebenfalls in Entwicklung ist der Einsatz eines Schrittmachers gegen Bluthochdruck: Dieser soll die Drucksensoren in der Halsschlagader stimulieren und elektrische Impulse an das Hirn senden, die dazu führen, dass körpereigene Mechanismen zur Senkung des Blutdrucks in Gang gesetzt werden.

Blutdruckkontrolle per SMS

Hand mit Handy

Einen besonderen Service für Bluthochdruckpatienten bietet das Wiener Institut für Hypertoniker. Seit zwei Jahren wird dort der Blutdruckverlauf der Menschen mit erhöhtem Blutdruck täglich kontrolliert. Damit das Institut Einblick in den Blutdruckverlauf bekommt, schicken die Patienten jeden Tag ihre Messwerte per SMS an eine SMS-Zentrale. Dort werden die Selbstmesswerte gesammelt und grafisch aufbereitet zur medizinischen Beurteilung an das Institut weitergeleitet. Wenn mit den Werten etwas nicht stimmt, werden die Menschen, die sich dazu angemeldet haben, per SMS gefragt, ob sie ihre Medikamente genommen haben, oder sie werden gebeten, einen Arzttermin zu vereinbaren. Das Ergebnis der Maßnahme: Im Vergleich zum internationalen Durchschnitt konnte die Therapietreue der Patientinnen und Patienten um das Doppelte gesteigert werden. Und statt wie anderswo 40% - 50% der Bluthochdruckpatienten kommen mit dem SMS-Service 80% - 90% langanhaltend in den Normbereich.

Zu niedriger Blutdruck

Schlafender Hund

Ja, zu niedriger Blutdruck ist selten und meist ungefährlich, aber was nützt dieses Erkenntnis dem Leidtragenden, wenn er sich so fühlt, wie der Hund auf dem Bild oben. An zu niedrigem Blutdruck, in der Fachsprache Hypotonie genannt, leiden nur 2% - 4% der Bevölkerung. Blutniederdruck besteht, wenn bei 30 Messungen an unterschiedlichen Tagen und zu mehreren diversen Zeitpunkten die Werte unter 110 zu 70 liegen. Mögliche Ursachen für Blutniederdruck sind eine genetische Veranlagung, eine Schilddrüsenunterfunktion, Bewegungsmangel, aber auch eine Herzerkrankung, lange Bettlägerigkeit etc. Eine Gefahr für die Gesundheit stellt die Hypotonie nicht dar, doch kann sie mit Kopfschmerzen, Verstimmungen und einem ausgeprägten Kälteempfindungen einhergehen: alles Symptome, die durch regelmäßiges Ausdauertraining, eine salzreiche Ernährung und viel Trinken gelindert werden können. Kommt es bei der Person mit Hypotonie häufig zu Kreislaufstörungen bis hin zu Ohnmachtsanfällen, sollte an eine Therapie mit blutdrucksteigernden Medikamenten gedacht werden. Eine wichtige Ursache für gelegentlich zu niedrigen Blutdruck sind Rhythmusstörungen. Wenn der Blutdruck meistens normal oder erhöht ist und gelegentlich abfällt, sollte der Herzrhythmus untersucht werden.

Orientierungstabelle für die Blutdruckwerte

Kategorie Systolisch (mmHg) Diastolisch (mmHg)
 Optimal  < 120 und

 < 80

Normal 120 - 129 und/oder

80-84

Hochnormal 130-139 und/oder 85 - 89
Leichter Bluthochdruck (Hypertonie Grad 1) 140 - 170 und/oder

90 - 99

Mittelschwerer Bluthochdruck (Hypertonie Grad 2) 160 - 179 und/oder

100 - 109

Schwerer Bluthochdruck (Hypertonie Grad 3) > 180 und/oder

> 110

 

 

 

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